08.08.2018 -Der SV fragt - Jürgen Ebert antwortet


Der SV fragt – Jürgen Ebert, der neue Trainer unserer U17-Bundesligamnnschaft, antwortet.

Wir haben uns knapp zwei Monate nach dem sensationellen Aufstieg der B-Mädchen in die die Bundesliga mit unserem neuen Cheftrainer getroffen, um über die aktuellen Geschehnisse rund um die Saisonvorbereitung zu sprechen.

 

Hallo Jürgen, wie fällt das erste zusammenfassende Fazit als neuer Cheftrainer aus?

Grundsätzlich positiv, dennoch: Aller Anfang kann schwer sein und so auch bei den B-Mädels. Die Vorbereitung gestaltete sich im Juli zunächst etwas beschwerlich, da immer fast der halbe Kader aufgrund von Urlauben nicht zur Verfügung stand. Wir können und werden also erst jetzt im August so richtig in die Vollen gehen. Dies betrifft dann vor allem auch Testspiele, die im Juli aufgrund der zur Verfügung stehenden Mädels nicht möglich waren.

 

Blicken wir nochmal ein paar Wochen weiter zurück. Welche Hürden bei der Zusammenstellung des neuen Kaders waren zu überwinden?

Das "Problem" beim SV Rengsdorf ist der noch fehlende qualitative Unterbau, den es für eine Bundesligamannschaft braucht. Somit waren sämtliche, jahrgangsbedingten Abgänge des 2001er-Jahrgsangs in den Seniorenbereich durch externe Neuzugänge aufzufangen.

In Summe verblieben vom alten Kader nur sieben Spielerinnen und zahlreiche Neuzugänge mussten gewonnen werden. Hierbei ging natürlich der erste Blick zum bisherigen Primus im rheinländischen Mädchen-Fußball, dem SC Bad Neuenahr. Während es uns dabei gelang aus meiner letztjährigen U17 fast alle Mädchen zu überzeugen das Abenteuer Bundesliga auch in Rengsdorf anzugehen, konnten wir das bei den U15-Mädels von Bad Neuenahr leider nicht schaffen. Somit mussten wir in der weiten Fläche auch bei vielen „kleineren“ Vereinen sichten. Dabei konnten wir aber auch ein paar sehr interessante Mädels für uns gewinnen.

 

Bist du mit der Zusammenstellung des Trainer- und Funktionsteams zufrieden?

Den einzigen, den ich vorher schon kannte und mit dem ich auch schon seinerzeit bei der EGC Wirges zusammengearbeitet habe ist Olli Schmidt. Ich denke mit ihm haben wir einen der besten Torwart-Trainer aus dem gesamten Westerwald. Mit Michael Wolfshohl habe ich einen Co-Trainer, der letzte Saison hier in Rengsdorf schon die C-Mädchen trainiert hat, und somit die Abläufe im Verein kennt. Ich habe Michael bisher als sehr hilfsbereit und engagiert kennengelernt. Mit Conny Neef haben wir eine Athletik-Trainerin, der man schon ansieht, dass sie etwas von Athletik versteht. Ihre ersten Einheiten waren auch von hoher Intensität, genau das, was wir für die Bundesliga brauchen. Last but not Least haben wir mit Jan Möllmeier einen Physio, der letzte Saison noch beim Herren-Oberligisten FV Engers gearbeitet hat und hier beim SV Rengsdorf in der Herrenmannschaft spielt. Mehr muss man dazu nicht sagen.

 

Von wo überall kommen die Spielerinnen nach Rengsdorf um das Erlebnis Bundesliga mitgestalten zu können?

Die weiteste Anreise hat zweifellos Annika Neil aus Kerpen.

Als Annika erfahren hat, dass ich Trainer in Rengsdorf werde, hat sie sich zusammen mit Ihrer Mutter bei mir gemeldet und gesagt, dass sie das Abenteuer Bundesliga mit mir auch in Rengsdorf angehen wollen. Darüber hinaus kommen aber noch weitere Mädels aus Nordrhein-Westfalen, z.B. Maike aus Köln, Mädels aus dem Bonner Umland und natürlich etwas weiter entfernt aus dem Westerwald und der Nähe von Altenkirchen. Man muss sich das auch mal wirklich bewusst machen: Wenn in der Theorie (teils sind wir in der Lage Fahrgemeinschaften zu bilden) alle Spielerinnen einzeln zum Training und zum Spiel anreisen würden, dann hätten wir in jeder Woche (bei insgesamt 4x Training und 1 Spiel) eine Entfernungsstrecke von ca. 7.450 Km zurückgelegt.

 

Wie hoch ist die Leistungsintensität, welche die Spielerinnen in der Bundesliga erbringen müssen?

Die Bundesliga stellt natürlich in jeder Hinsicht wesentlich höhere Anforderungen an die Spielerinnen, als dies in der Regionalliga der Fall ist. Daher gibt es zu den bisher drei fußballspezifischen Trainingseinheiten auch immer eine vierte Einheit, die sich ausschließlich der Athletik widmet. Und nicht ohne Grund gilt die Teilnahme an der Bundesliga offiziell als Leistungssport.

 

Welche Rolle spielen die Eltern der Spielerinnen im Gesamtgefüge?

Die Eltern sind natürlich ein wichtiger Bestandteil des Gesamten. Ohne die Unterstützung der Eltern ist der Aufwand durch die Mädels ja allein überhaupt nicht zu schaffen. Das geht mit dem Fahren los, und hört letztendlich damit auf, den Kids immer wieder zu verdeutlichen, dass egal was passiert, sie immer fokussiert bleiben müssen. Im Prinzip sind die Eltern dann auch so etwas wie der Coach für ihr Kind, der immer wieder motiviert! Und die Fahrtkilometer, die einen nicht unerheblichen zeitlichen und vor allem finanziellen Aufwand darstellen, wurden ja schon erwähnt. Auch das ist von den Eltern zu stemmen.

 

Was macht für dich die Aufgabe im Mädchenfußball interessant, nach dem deine bisherige Trainerhistorie ja eher im Junioren- und Männerbereich angesiedelt war?

Man muss das natürlich im Kontext mit dem Leistungsniveau betrachten. Ich habe letzte Saison in Bad Neuenahr erste Erfahrungen im Bundesliga-Mädchenfußball sammeln können, und ich muss sagen, die Erfahrungen mit den Mädels waren eigentlich durchweg positiv. Angefangen von der Ernsthaftigkeit und der Leidenschaft für die Sache, bis zur Bereitschaft die Dinge anzunehmen, macht es einfach Spaß mit den Mädels auf diesem Niveau zu arbeiten.

 

Welchen Reiz strahlt die höchste deutsche Mädchenklasse auf die Akteurinnen und Akteure aus?

Abgesehen davon, auf höchstem Niveau im Bereich Mädchen-Fußball spielen zu können, ist es natürlich auch besonders reizvoll gegen Mannschaften wie z.B. den 1. FC Köln, Bayer 04 Leverkusen oder Borussia Mönchengladbach anzutreten.

 

Hast du als Übungsleiter eine besondere Idee des Fußballspiels oder veränderst du deine Philosophie jeweils im Rahmen der vorhandenen Gegebenheiten?

Ja, ich habe definitiv eine Idee vom Fußballspiel! Ob die aber jetzt besonders ist, weiß ich nicht.

Darüber hinaus muss man natürlich gewisse Dinge den Gegebenheiten anpassen und die Spielweise im Laufe einer Saison entwickeln. Was auf jeden Fall als Basis bleibt, ist mutiges Spiel, und auf keinen Fall getreu dem Motto „hoch und weit bringt Sicherheit“.

 

Die nächste Frage ist zwangsläufig: Wie lautet das Ziel der U17 für die kommende Spielzeit in der Bundesliga?

Eine sehr einfache Frage. Klassenerhalt! Wenn wir das schaffen ist das in etwa vergleichbar mit der Meisterschaft des SV in der letzten Saison!

 

Auf was wird es innerhalb des Teams und in Bezug auf die Mannschaftsführung zur Erreichung des gesteckten Saisonziels insbesondere ankommen?

Innerhalb des Teams muss ein intaktes Verhältnis, ein Spirit entstehen, der dazu führt, dass sich die Eine für die Andere zerreißt und alle Spielerinnen von der Nummer 1 bis zur Nummer 20 im Sinne des Ganzen denken und handeln. Was die Mannschaftsführung betrifft kommt es auf das richtige Maß von Strenge und Kameradschaft an. Die Mädels müssen sich wohlfühlen, müssen aber auch wissen, dass sie dafür eine Gegenleistung erbringen müssen. Disziplin, Ehrgeiz und Leidenschaft müssen täglich gelebt werden.

 

Beschreibe den Fußball in 3 Worten!

Einfach und komplex.

 

Abschließend noch eine Frage zu einem jetzt schon etwas länger zurückliegendem Event: Was hätte der Trainer Jürgen Ebert als Teil des Trainerteams der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der vergangenen WM in Russland anders gemacht?

Im Sinne eines jeden Trainers muss ich dazu sagen, das ohne Kenntnisse des Innenlebens einer Mannschaft, eine qualifizierte Aussage nicht möglich ist. Da spielen so viele Dinge eine Rolle, die dazu führen, es so, oder vielleicht doch anders zu machen. Das Thema Özil und Gündogan, da weiß kein Aussentehender, ob es intern beim Team ein Thema war, und ob es daher besser gewesen wäre, auf die beiden zu verzichten; Ich meine damit nicht aus sportlichen Gründen, sondern im Sinne des Teamgedankens. Dasist für uns alle nicht zu bewerten.

Gewundert habe ich mich aber auf jeden Fall über die verhaltene Spielweise gegen Südkorea. Da hätte ich mir von Anfang an mehr Risiko in Form von Offensivpressing gewünscht.

 

Herzlichen Dank an Jürgen Ebert fürs interessante Interview und ganz viel Erfolg in der bevorstehenden Bundesliga-Saison, gepaart mit Spaß und Leidenschaft, wünscht die ganze Fußballfamilie des SV Rengsdorf.